Hinweise zum Gold-Silber-Ratio

Das Wichtigste in Kürze

  • Berechnung: Goldpreis dividiert durch Silberpreis
  • Entscheidungshilfe bei der Frage: Gold oder Silber kaufen?
  • Richtige Interpretation wichtig

Was ist die Gold Silber Ratio?

Die Gold Silber Ratio (abgekürzt: GSR) ist eine Kennzahl die anzeigt, in welchem Verhältnis der Preis für Gold zum Preis für Silber steht. Hierfür wird der Preis für eine Feinunze Gold geteilt durch den Preis für eine Feinunze Silber ermittelt.

Beispiel Berechnung: Stünde der Goldpreis bei 1000 $ pro Unze und der Silberpreis gleichzeitig bei 20 $ pro Unze, so wäre die Berechnung: 1000 : 20 = 50. Die Gold-Silber-Ratio läge also bei 50. Oder anders ausgedrückt: Für eine Unze Gold bekäme man 50 Unzen Silber.

Entscheidungshilfe für Anleger

Die Gold-Silber-Ratio gibt Antwort auf die Frage: Welches der beiden Edelmetalle ist aktuell eher überbewertet, welches eher unterbewertet? Für Anleger kann diese Kennziffer somit hilfreich sein bei der Analyse der Gewichtung von Gold und Silber im persönlichen Vermögensportfolio. Gold oder Silber kaufen? Oder verkaufen? Je deutlicher eine Über- bzw. Unterbewertung ausgeprägt ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass in Zukunft eine entsprechende Preisanpassung durch den Markt erfolgt.

Gold-Silber-Ratio richtig interpretieren

Wichtig für das Verständnis: Der Gold-Silber-Ratio-Chart gibt keine Auskunft über das allgemeine Preisniveau oder absolute Kursentwicklungen. Es ist ein relativer Wert, der nur das Preisverhältnis von Silber zu Gold beschreibt. Anpassungen der Ratio können sowohl in einem Umfeld steigender wie fallender Kurse stattfinden.

WertInterpretationSchlussfolgerung & Zukunftsprognose
> 80 (hoher Wert)Silber im Vergleich zu Gold aktuell eher unterbewertet (="günstig")Silber wird im Vergleich zu Gold eher aufwerten. Je höher der Wert, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Aufwertung
< 40 (niedriger Wert)Silber im Vergleich zu Gold aktuell eher überbewertet (="teuer")Silber wird im Vergleich zu Gold eher abwerten. Je niedriger der Wert, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Abwertung
Wert zwischen 40 - 80Über- oder Unterbewertungen aktuell wenig bis gar nicht ausgeprägtKursverhältnis relativ ausgewogen. Der von GOLD.DE ermittelte Durchschnitt für den Zeitraum 1973 - Anfang 2021 liegt bei 61,06

Die Gold Silber Ratio sollte aber niemals allein als Grundlage für eine Investitionsentscheidung oder gar als zwingendes Kaufsignal genommen werden. Wie Preisanpassungen auf den Märkten vonstatten gehen, ist eine komplexe Angelegenheit. Die Ratio kann sich auch im Rahmen allgemeiner Kursverluste abbauen. Die Beachtung des Preisverhältnisses schützt folglich nicht vor Kursverlusten.

Beispiel: Abbau Silberüberwertung in "bearishem" Umfeld

2011 stand die Gold-Silber-Ratio unter 37, also auf einem aus historischer Sicht relativ niedrigen Niveau. In der Folge hat zwar Silber seine Überbewertung gegenüber Gold stark abgebaut, dies allerdings im Rahmen von allgemeinen Kursrückgängen. Das heißt: Sowohl der Silberpreis wie der Goldpreis gingen zurück. Der Goldpreis fiel aber insgesamt weniger stark als der Silberpreis:

Beispiel: Abbau Silberunterbewertung in "bullishem" Umfeld

Wer etwa Mitte 2003 oder im Herbst 2008 die richtigen Trend-Wendepunkte als Kaufsignal für Silber identifiziert hat, der konnte im Umfeld allgemeiner Kurssteigerungen von besseren Wertzuwächsen profitieren als bei Gold.


Historische Betrachtung

Aus der griechischen Antike gibt es Überlieferungen, die besagen, dass die Gold-Silber-Ratio bei ungefähr 10 stand. Im 5. Jahrhundert n. Chr. stieg der Wert etwas und verharrte dann viele Jahrhunderte lang um den Wert 15. Erst Ende des 19. Jahrhunderts zeigen sich im Kursverlauf markante Dynamiken und Trendpunkte, wie ein Blick in die Geschichte der Gold-Silber-Ratio zeigt. Erwähnenswert in der jüngeren Vergangenheit ist der Tiefpunkt Anfang 1980, als die spekulative Silberblase der Gebrüder Hunt platzte und die Ratio einen Wert unter 15 markierte.

Gibt es eine "faire" Ratio?

Es gibt Meinungen, die eine Ratio zwischen 15-20 als einen "fairen" Wert erachten. Sie beziehen sich damit wahlweise auf historische Gold-Silber-Verhältnisse der vergangenen Jahrhunderte oder auf die Verteilung beider Elemente in der Erdkruste. Silber ist etwa 15-20 Mal häufiger in der Erdkruste anzutreffen als Gold.

Wir meinen, dass beide Fakten nicht als Orientierungspunkte geeignet sind und es keinen anzustrebenden "Endwert" gibt. Denn das Preisgefüge der Metalle richtet sich nicht nach historischen oder naturwissenschaftlichen Fakten, sondern in der Regel nach Angebot und Nachfrage. Deshalb sind historische Gold-Silber-Verhältnisse als Orientierungswert nur bedingt geeignet. Bei den Goldmark des "Deutsches Kaiserreich" galt eine Ratio von 1 zu 15,5. Für ein Gramm Gold bekam man 15,5 g Silber. Doch diese mehr oder weniger willkürlich festgesetzten Verhältnisse funktionierten schon vor 100 Jahren nicht richtig.

Da die Verhältnisse nicht weltweit vereinheitlicht wurden und oft auch nicht den Marktwert der Metalle korrekt widerspiegelten, gab es per se Möglichkeiten für Arbitrage-Geschäfte, die letztendlich auch den Untergang des Bimetallismus einleiteten.


Prognose

Gold und Silber unterscheiden sich nicht nur als Investment. Auch im Hinblick auf Märkte, Preisbildung und Verfügbarkeiten gibt es Unterschiede. Die Nutzung der Gold-Silber-Ratio als Prognose-Tool sollte daher nur unter Berücksichtigung dieser spezifischen Faktoren erfolgen.

Bei Silber spielen industrielle Verwendungen, und somit konjunkturelle Faktoren, eine weitaus größere Rolle als bei Gold. Dabei ist die Silbernachfrage relativ unelastisch. Silber wird oft nur in geringsten Mengen in Produkten eingesetzt und ist für die Festsetzung eines Produktverkaufspreises wenig ausschlaggebend. Daher hält die Industrie ihre Silbernachfrage auch bei stark steigenden Preisen aufrecht.

Auf der Angebotsseite ist festzustellen, dass Silber für viele Minenbetreiber nur Beiprodukt ist. Das Fördervolumen hängt wenig von der Nachfrage ab. Steigt der Silberpreis, dann wird vermutlich keine Kupfermine ihren Ausstoß erhöhen, nur um die Produktion des Beiproduktes Silber anzukurbeln. Tendenziell ist also auch das Silberangebot deutlich preisunelastischer als bei Gold. Dies erklärt mit die höhere Volatilität des Silberpreises. Bei steigender Nachfrage kann nicht im gleichen Maß das Angebot erhöht werden, der Preis schießt durch die Decke. Bei sinkender Nachfrage wird das Angebot hingegen nicht nach unten angepasst, der Preis sackt in sich zusammen. Weltweit werden auch nicht mehr so viele Lagerbestände gehalten. Der Silberpreis ist daher der einzige Ausgleichsmechanismus für das Angebot-Nachfrage-Verhältnis. Für die Goldnachfrage gilt das nicht. Bei steigenden Preisen kann man stets eine sinkende Schmuckgoldnachfrage beobachten.

Was die Wiederverwertung angeht, so lautet ein geflügeltes Wort: Silber landet auf der Müllhalde, Gold im Tresor. Silber wird im Gegensatz zu Gold weniger recycelt, da es weniger lukrativ ist. Silberbestandteile gehen also zu einem beträchtlichen Teil verloren. Somit sinkt die verfügbare Silbermenge Jahr für Jahr. Die durch Goldrecycling wieder gewonnene Goldmenge steigt dagegen tendenziell Jahr für Jahr. Im Schnitt lässt sich für die letzten 50 Jahre ein leicht ansteigender Trend feststellen. Das bisherige All-Time-High wurde sogar erst jüngst erreicht: Am 18./19. März 2020 markierte die Gold-Silber-Ratio intraday (im Tagesverlauf erreicht) sogar kurzzeitig einen Spitzenwert von über 130.


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